Fraud Blocker Warum Reagieren Dieselmotoren Empfindlicher Auf Falschen Kraftstoff? | Falsch Getankt? Schnelle Hilfe In 3 Schritten-Benzin Und Diesel Verwechselt
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Warum reagieren Dieselmotoren empfindlicher auf falschen Kraftstoff?

Wenn es um das Thema „Falsch getankt“ geht, taucht immer wieder die Frage auf, warum Diesel-Fahrzeuge besonders stark betroffen sind. Schließlich ist es auch möglich, ein Benzinauto mit dem falschen Kraftstoff zu betanken – doch die Folgen sind meist weniger gravierend. In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf die technischen Unterschiede zwischen Benzin- und Diesel-Motoren, erklären die unterschiedlichen Toleranzen und beleuchten, warum Dieselmotoren oft empfindlicher reagieren.


1. Zündverfahren: Selbstzündung vs. Fremdzündung

  • Benzinmotoren (Fremdzündung): Benzin wird mit Luft vermischt und durch eine Zündkerze entzündet. Die Verbrennung findet relativ „kontrolliert“ statt, weil sie durch den Zündfunken ausgelöst wird.
  • Dieselmotoren (Selbstzündung): Hier wird die Luft im Zylinder stark komprimiert, bis sie sich stark erhitzt. Erst dann wird Diesel eingespritzt, der sich durch die hohe Temperatur selbst entzündet.

Was bedeutet das für eine Falschbetankung?

  • Bei einem Benzinmotor, der versehentlich mit Diesel in Kontakt kommt, kann es zunächst sein, dass der Motor „nur“ unrund läuft oder Startschwierigkeiten bekommt.
  • Ein Dieselmotor, der mit Benzin in Kontakt kommt, bekommt zu wenig Schmierung und kann durch die höhere Zündwilligkeit von Benzin (im falschen Moment) Schäden davontragen.

2. Schmierung und Kraftstoffbeschaffenheit

  • Benzin ist leicht flüchtig, hat eine niedrige Zündtemperatur und enthält vergleichsweise wenige Schmierstoffe.
  • Diesel hat eine höhere Viskosität, einen höheren Energiegehalt und enthält mehr natürliche Schmieranteile.

Warum ist das wichtig?

  • Dieselmotoren sind auf die Schmierwirkung ihres Kraftstoffs angewiesen, insbesondere in der Einspritzpumpe und den Injektoren. Wird Diesel durch Benzin ersetzt, fehlt diese Schmierung – metallische Teile reiben aneinander und verschleißen schnell.
  • Bei Benzinmotoren ist der Schmierfaktor weniger kritisch, da sie auf Fremdzündung ausgelegt sind und die Einspritzsysteme anders konzipiert sind.

3. Hochdruck-Einspritzsysteme und Toleranzen

  • Moderne Motoren – egal ob Benzin oder Diesel – arbeiten häufig mit Einspritzdrücken, die vor einigen Jahren noch undenkbar waren. Während Dieselmotoren mit Common-Rail-Systemen Drücke von 2.000 bar und mehr erreichen, verwenden Benzin-Direkteinspritzer ebenfalls hohe Drücke, wenn auch meist etwas niedriger.
  • Toleranzen: Durch diese hochpräzisen Einspritzsysteme sind moderne Motoren weniger tolerant gegenüber Verunreinigungen oder falschem Kraftstoff. Bereits kleine Abweichungen in der Kraftstoffzusammensetzung können zu Problemen führen.

Folgen im Detail

  • Ein Dieselmotor mit Benzinanteil im Kraftstoff kann schneller Schäden an der Hochdruckpumpe oder den Injektoren erleiden.
  • Ein Benzinmotor mit Diesel „verstopft“ oft eher die Einspritzdüsen, was zu Fehlzündungen oder Leistungsverlust führt.

4. Warum reagieren Dieselmotoren empfindlicher?

Zusammengefasst spielen drei Hauptfaktoren eine Rolle:

  1. Schmierung: Diesel benötigt eine gewisse Viskosität und Schmierwirkung, um reibungslos im System zu funktionieren. Benzin entzieht dem System diese Schmierung.
  2. Höhere Drücke: In modernen Dieselmotoren herrschen extrem hohe Einspritzdrücke, wodurch Schäden bei falschem Kraftstoff besonders schnell auftreten können.
  3. Selbstzündung: Diesel entzündet sich bei hohem Druck und Temperatur selbst. Benzin im Dieselsystem kann zu Fehlzündungen, Temperaturproblemen oder unvollständiger Verbrennung führen, was mechanische und thermische Schäden begünstigt.

5. Was tun bei Falschbetankung?

  1. Nicht weiterfahren! Sobald der Irrtum bemerkt wird, sollte der Motor ausgeschaltet und das Fahrzeug nicht mehr gestartet werden.
  2. Pannendienst rufen oder direkt die Werkstatt kontaktieren. Ein Abpumpen des Kraftstoffs ist meist günstiger, als mögliche Folgereparaturen.
  3. Versicherung kontaktieren: Bei manchen Policen ist Falschbetankung abgedeckt. Ob eine Kostenerstattung möglich ist, hängt von den individuellen Vertragsbedingungen ab.
  4. Motor nicht eigenständig spülen: Selbstversuche können zu weiteren Schäden führen. Profis verfügen über die nötige Ausrüstung, um das Kraftstoffsystem sicher zu reinigen.

6. Fazit

Die Unterschiede zwischen Benzin- und Dieselmotoren liegen vor allem in der Art der Zündung, der notwendigen Schmierung und den unterschiedlichen Kraftstoffeigenschaften. Dieselmotoren sind in der Regel empfindlicher, weil sie stark auf die Schmierwirkung ihres Kraftstoffs angewiesen sind und unter sehr hohen Einspritzdrücken arbeiten. Bereits kleine Mengen des falschen Kraftstoffs können gravierende Folgen haben.

Wer versehentlich falsch getankt hat, sollte im Idealfall gar nicht erst starten oder weiterfahren, um Motorschäden zu vermeiden. Eine frühzeitige Pannenhilfe und das fachgerechte Abpumpen des Kraftstoffs können höhere Reparaturkosten verhindern. Mit diesem Wissen im Hinterkopf lassen sich Pannen hoffentlich vermeiden – oder zumindest schnell in den Griff bekommen.